Von doppelten Läuferopfern, störrischen Uhren, Wedel III und Barmbek V

Von doppelten Läuferopfern, störrischen Uhren, Wedel III und Barmbek V

Das Match zwischen Wedel III und Barmbek 5 in der Kreisklasse B der Hamburger Mannschaftsmeisterschaften 2026 verlief ereignisreich. Es gab ein doppeltes Läuferopfer, viele störrische Uhren, einen Edelreservisten, zwei kampflose Partien, eine sehr früh verlorene Dame und vieles mehr zu bestaunen. Am Ende setzten wir uns mit 6:2 durch und erzielten damit den dritten Mannschaftssieg im dritten Match.

Wedel und Barmbek sind zwar beide nicht am Ende der Welt, liegen aber räumlich auch nicht wirklich nah beieinander. Dieser Umstand führte leider dazu, dass zwei Barmbeker auf der Strecke blieben und ihre Partien kampflos abgeben mussten. Wer meint, dass Martin und Sarmad sich darüber freuten, täuscht sich. Beide waren hoch motiviert und bedauerten nicht spielen zu können. Zugegebenermaßen hielt sich meine Enttäuschung als Mannschaftsführer in Grenzen. Zwei Punkte sind immerhin schon die halbe Miete zum Unentschieden.

An den verbleibenden sechs Brettern wurden die Uhren allerdings in Gang gesetzt, wobei auffiel, dass die Uhren in einem falschen Modus, nämlich mit Inkrement, eingestellt waren. Während der Mannschafsführer aus Barmbek auf Parkplatzsuche ging, durfte ich mit Hilfe von Norbert die Uhren auf den korrekten Modus einstellen. Diese Zeit nutzte Johannes dazu seine Dame einzustellen und bevor ich wieder am Brett saß, stand es nur noch 2:1. Dann kehrte allerdings Ruhe ein und an den noch offenen fünf Brettern entwickelten sich „normale“ Partien. Mischa stand an Brett zwei besser und drückte früh gegen die gegnerische Königsstellung. Bei Gerd, Michael und Jürgen schien alles mehr oder weniger im Gleichgewicht zu sein und ich stand an Brett eins bereits schlechter.

Es war Mischa, der den Führungstreffer zum 3:1 erzielte. Zwei unglückliche Turmzüge seines Gegners in Folge (im 24. und 25. Zug) machten aus einer schlechteren eine verlorene Stellung oder aus unserer Sicht, aus einer besseren eine gewonnene Stellung.

Gerd konnte der Versuchung nicht widerstehen, ein doppeltes Läuferopfer auf das Brett zu zaubern. Laut „Herderschach“ ist kaum ein Opfermotiv so gut erforscht, wie das doppelte Läuferopfer [siehe: https://www.herderschach.de/Training/Online/index-tr032.html]. Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches doppeltes Läuferopfer sind, dass die Läufer des Angreifers auf g7 und h7 zeigen; die Dame direkte nach h5 gelangen kann; ein Turm des Angreifers ungestört auf die 3. Reihe und dort nach h3 ziehen kann; die gegnerischen Bauern vor der Rochadestellung noch nicht gezogen haben; die Schachgebote der Dame auf h5 und g5 oder g4 vom Verteidiger nicht ohne großen Schaden abgewehrt werden können; der Turm auf f8 dem König den Fluchtweg zum Zentrum nimmt und das zweite Opfer nicht ohne Verluste abgelehnt werden kann [vgl. https://www.herderschach.de/Training/Online/index-tr032.html]. All diese Voraussetzungen hatte Gerd selbstredend auf der Pfanne … oder auch nicht. Gerd schrieb mir, dass die Opfer definitiv nicht korrekt waren, aber seinem Gegner irritierten und unter Druck gesetzt hätten. Diesem Druck hielt sein Gegner nicht stand, was ich gut nachvollziehen kann. Hier die Partie zum Nachspielen. Ihr könnt ja mal schauen, ob ihr, wie Gerd, mutig geopfert hättet und ob ihr den Druck standgehalten hättet:

Michael war es vorbehalten das 5:1 zu erzielen und damit das Match für uns zu entscheiden. Mir schien das Endspiel bei flüchtigem Blick ausgeglichen zu sein, aber mit seiner ganzen Erfahrung überspielte Michael seinen Gegner.

In einer kämpferischen Partie in der ich erfolglos versuchte Gegenspiel zu generieren, wurde ich umsichtig überspielt. Die Engine bescheinigt meinem Gegner eine Genauigkeit von 97% (Kudos!) und mir „nur“ 90%, wobei mir ein Patzer, ein Fehler und eine Ungenauigkeit unterliefen. Ein sinnloses Bauernopfer und fahriges Spiel in der Eröffnung ließen meinen Gegner schnell besser stehen. Sicher umschiffte er alle meine billigen und nicht ganz so billigen Tricks und setzte mich letztlich Matt, was ich ästhetischen Gründen auf dem Brett zuließ. Die Lehrstunde der Sämisch-Variante in der Königsindischen Verteidigung kann hier nachgespielt werden:

Unser Edelreservist Jürgen spielte die längste Partie des Abends. Das lag zum Teil daran, dass sein Gegner nicht in bereits hoffnungsloser Lage die Partie vorher aufgab, was sein gutes Recht ist. Jürgen nutzte die Gelegenheit einen seiner Landwirte zur adeln, worauf hin sein Gegner seinen König umlegte.

Zusammenfassend lässt sich in Anlehnung an Kurt Tucholsky und mit dem doppelten Läuferopfer im Hinterkopf sagen, dass Schach die Metaphysik des Pokerspieler ist [Vgl. Im Original lautet das Zitat: „Zusammenfassend kann gesagt werden: die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers.“ https://www.textlog.de/tucholsky/glossen-essays/kurzer-abriss-der-nationaloekonomie#google_vignette ; Kaspar Hauser, Die Weltbühne, 15.09.1931, Nr. 37, S. 393. „Kurzer Abriss der Nationalökonomie“; zuletzt aufgerufen am 26.02.2026]

Prosaischer lässt sich das Ergebnis in Tabellenform zusammenfassen:

Wedel II 6 - 2 Barmbek V

Brett Name (DWZ) Ergebnis Name (DWZ)
1 Toepfer (1515) 0 – 1 Götz (1520)
2 Habilov (1729) 1 – 0 Sobirey (1401)
3 Jarke (1509) + - - Liebert
4 Reinecke (1458) 1 – 0 Rogge (1422)
5 Scheinpflug 1 – 0 Ohletz (1271)
6 Asir (1339) + - - Kaurin
7 March (1234) 0 – 1 Guo (-)
8 Jürs (1687) 1 – 0 Hübner (-)

Gegen den Tabellenführer mit 6:2 zu gewinnen ist natürlich eine Ansage, jedoch kein Grund Übermütig zu werden. Mit Wilhelmsburg II, Königsspringer VII und Blankenese V warten noch harte Brocken auf uns. Darüber hinaus besteht die reale Gefahr, dass diese Mannschaften vollzählig antreten werden, was ja eher die Regel, denn die Ausnahme sein soll.

Aufgrund der Hamburger Schulferien haben wir jetzt eine längere Pause, bevor wir am 09.04. nach Schnelsen fahren, um dort gegen Königsspringer VII anzutreten. Wie haben also hinreichend Zeit zu üben, was wir natürlich nicht machen werden. Während ich mir überlege auf Rentnerschach umzusteigen, würde ich dem einen oder anderen Mannschaftskollegen gern ans Herz legen, etwas mehr Zeit in die Eröffnung zu investieren und kein Blitzschach zu spielen. 90 Minuten für 40 Züge ohne Inkrement ist zwar nicht die Welt, aber doch immerhin 2,25 Minuten pro Zug und NICHT 2,25 Minuten für die ganze Partie. „Master your clock, and you’ll win more games—it’s that simple.” [https://chesstrainer.org/resources/tips/how-to-manage-time-in-chess; zuletzt aufgerufen am 26