Junge Wilde und alte Hasen beherrschen die VM 2005

Die Vorrunde der Vereinsmeisterschaft 2025 ist fast beendet, nur noch zwei Entscheidungen stehen an. Erfreulicher Weise mischen die Neueintritte der letzten Jahre die alte Ordnung gehörig durcheinander.
Mit Milan Adamovic, Torsten Hinze und Kai Durchfeld haben drei Neueintritte der letzten Jahre schon mal die Hälfte der Plätze in der ersten Finalgruppe erreicht, heißt sie spielen endgültig um den Titel mit.
Und als weitere positive Überraschung hat auch der aktuelle Neueintritt John Lüchau noch die Chance, die erste Finalgruppe zu erreichen, wenn er die noch ausstehende Partie gegen Raymond Stäß gewinnt. Er hat letzte Woche Victor geschlagen. Sicher, Victor hat gegen seine sonstige Gewohnheit eine Figur weg gestellt, aber das muss man gegen ihn trotzdem gewinnen.
Ich glaube auch nicht, dass alle vier ihr Potential schon ausgeschöpft haben. Eine gute Perspektive für die erste Mannschaft.
Von den alten Hasen hat bisher nur Victor Lamzin sicher die erste Finalgruppe erreicht. Einen weiteren Platz dürfte Jürgen Jürs einnehmen, der bisher alles gewonnen hat. Jürgen bestätigt damit seine herausragende Form der vergangenen Jahre. Er hat noch zwei Partien offen, eine gegen mich und eine gegen Johannes March. Eine davon wird er wohl gewinnen und dann ist er durch.
Auch Shah Hotaki kann die erste Finalgruppe noch erreichen, hat es aber nicht in der eigenen Hand. Wenn John Lüchau Raymond Stäß schlägt ist er statt Shah im Finale.
In der zweiten Finalgruppe stehen schon Raymond Stäß, Alexander Klinkow, Sarmad Asir und Jürgen Nikodem fest. Je nach den zwei ausstehenden Spielen werden noch Norbert Reimann / Jürgen Jürs und Shah Hotaki / John Lüchau dazu stoßen. Es freut mich vor Allem für Sarmad, der mit Siegen gegen Nico und Ralf und einem Remis gegen Alexander sehr schöne Erfolge erzielt hat.
Die dritte Finalgruppe setzt sich dann aus Wolfgang Schmeichel, Michael Scheinpflug, Nico Jürgens, Ralf Töpfer, Friedhelm Michalke und Johannes March zusammen.
Aus den Partien wollte ich erstmal die Partie zwischen Milan und Torsten zeigen.
Ich finde die Partie zeigt die Stärken beider Seiten sehr gut. Mit großem strategischem Geschick beherrscht Milan die Partie. 43 Züge lang steht Torsten unter Druck und darf seine grandiosen Fähigkeiten in der Verteidigung beweisen. Dann macht Milan einen seiner seltenen Fehler, er nimmt einen Bauern statt auf Damentausch zu spielen. Und Torsten findet den Gewinnzug! Aufgabe im 48´zigsten Zug von Milan.
Im Übrigen hat Milan eine von mir erwartete großartige Vorrunde gespielt mit 3,5 aus 5, nur überholt von Torsten, der mit einer Verlustpartie gegen Alexander und 4 aus 5 extrem überzeugt hat.
Hier ist die Partie:
Und weil sie so schön sind: Ein paar Partien mit durchschlagenden Angriffen. Geht natürlich kaum ohne Fehler auf der anderen Seite, insoweit die Bitte um Verzeihung, aber ich bin auch bei den Loosern.
Anfangen will ich nämlich mit der Partie von Kai Durchfeld gegen mich, in der er meinen unambitioniertes Pirc auseinander genommen hat.
Hier die Partie von Victor gegen Shah, der zur Abwechslung in seiner Verteidigung einen Fehler machte. Das darf man sich gegen Victor nicht erlauben. Eine ähnliche Zertrümmerung wie von Kai gegen mich.
Und dann noch hier den Untergang von Nico gegen Sarmad.
Insgesamt eine sehr interessante Vorrunde mit einer Fülle von spannenden Partien mit teilweise überraschenden Ergebnissen. Ich bin gespannt, wer sich in der ersten Finalgruppe durchsetzt. Auch wenn Victor natürlich Favorit auf die Titelverteidigung ist glaube ich an ein spannendes Rennen.
Und dann wollte ich noch erzählen, dass ich im Urlaub auf beiliegende Installation von Yoko Ono aus dem Jahr 1966 gestossen bin, mit Titel “White Chess Set”.
Fand ich lustig und zum Nachdenken anregend.
Man stellt fest, dass Schach nicht funktioniert, wenn alles die gleiche Farbe hat. Man kann eigene und fremde Figuren nicht mehr auseinanderhalten. Und ohne Könige gibt es auch keine Leute, welche die Bauern in den Krieg schicken. In dieser Installation ist keine Auseinandersetzung möglich, kein Krieg. Eine konsequente Installation für eine Frau, die Jahre später “Give Peace a Chance” bestimmt mitgestaltet hat.
Für uns funktioniert das natürlich nicht. Wir wollen ja kämpfen und siegen in der Partie. Das macht den Reiz aus. Dazu sind Schwarz und Weiß notwendig.
“Give Peace a Chance” kann ich trotzdem vertreten, denn wir spielen miteinander, auch wenn wir siegen wollen. Wir sind Schachfreunde, die sich freundschaftlich miteinander messen.
Schach ist ein Kriegsspiel, was den Krieg auf 64 Felder beschränkt - und dadurch zu einer extrem friedlichen Atmospäre führt. Die Welt wäre sicher ein besserer Ort, wenn einige Menschen Schach spielen würden statt in der Realität zu trachten nach “deines Nächsten Weib, Haus und Hof”.